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Der Dienst an Gaia: das neueste Opium für die Massen / F.W.

 

Der Mensch ist ein Teil von - und vernetzt mit - einem komplexen System namens Erde. Der zerstörerische Einfluss von Industrialisierung und Landnutzung sowie Kriegsführung und weltweitem Güterverkehr auf die Ökosysteme wird an vielen Stellen sichtbar.
Verschmutzungen durch radioaktive, metallische, pharmazeutische und Kunststoff-Substanzen, seit Neuem auch durch genetisch veränderte Lebewesen; sind nur teilweise reversibel.
Die direkten Effekte auf Luft- , Wasser- und Bodenqualität sowie auf Pflanzen, Tiere und Menschen sind meist nicht katastrophisch sondern graduell und gleichen eher Verschiebungen in einem Spektrum als Sprüngen. Anpassungen des Systems und seiner Teile an veränderte Bedingungen geschehen unmerklich. Menschenverursachte Effekte wie Verschmutzung, Erosion, Versalzung, Artenverlust sind ernst und sollten langfristig eingeschränkt bzw. verhindert werden.

Katastrophische Effekte sind bspw. Missbildungen, Aussterben, tödliche Erkrankungen oder das Abiotisch- Werden ganzer Landstriche. Alle Eingriffe, auch ökologisch wünschenswerte, greifen in den natürlichen Gang der Dinge ein und bewirken mehr oder minder große Folgeerscheinungen.
Dennoch ist die Biossphäre als Ganzes nicht bedroht, sie wird eben verändert. Der Mensch ist hier seit der Industrialisierung ein weiterer Wirkfaktor, der allerdings nicht das Ausmaß natürlicher Faktoren wie Sonnenstrahlung und Sonnenwind, Plattentektonik, Magnetfeld, Eigenschaften und Verhalten des Klimas und der Ozeane oder etwa von Vulkanausbrüchen erreicht.

Seit den "Grenzen des Wachstums" und mit dem Aufstieg der grünen Bewegung wird an einem ökologischen Verhaltenskodex gearbeitet, der auch gesetzgeberisch umgesetzt wird. Hier gibt es sinnvolle Massnahmen wie etwa bei Energieeinsparungen und Luftreinhaltung sowie im Wasser- und Bodenschutz. Diese beschränken sich zum Grossteil auf die westlichen Industrienationen. Bei einigen Recycling-Massnahmen erscheint der Sinn durchaus fraglich, ebenso etwa beim Verbot von Glühbirnen der EU, oder der nur scheinbar ökologischen Optimierung von Bauten. Symbolische Politik trägt hier oft den Sieg über rationale Erwägungen und Massnahmen davon. Die Option einer rationalen Naturnutzung, die menschliche Interessen berücksichtigt, wird zugunsten einer reinen Öko-Lehre vernachlässigt und propagandistisch angegriffen. Dem Menschen wird dabei nicht selten die parasitäre Ausnutzung der Natur unterstellt, obwohl er ja zweifellos ein vermutlich sinnvoller Teil des natürlichen Systems ist.

Hier geschieht eine unwissenschaftliche Ausweitung des ökologischen Ideals, die mit der forcierten Ausbildung eines ökologischen Gewissens einhergeht: Nicht was rational wünschenswert wäre -unter Einbezug menschlicher Interessen- ist hier die Zielvorstellung. Stattdessen wird eine emotionale Schuld- und Minderwertigkeitspropaganda getrieben, nach der dann die Menschheit für die Klimaänderungen verantwortlich ist. Nach allem, was man über die Klimageschichte weiss, ist dies einfach nur Unsinn. Dem Schuldkomplex entspricht, wenn man ihn ernst nimmt, eine illusionäre Hybris: es scheint, als ließe sich der Planet steuern wie eine Maschine; und eben durch mehr oder weniger CO2-Ausstoß in die eine oder andere Richtung lenken.

Das ist nicht der Fall. Allein die Komplexität eines Systems wie das des Klimas macht dies unmöglich. Die Öko- oder Kybernetik- Metaphern sowie mathematische Modelle sind praktisch wie jede Theorie, aber eben auch beschränkt wie jedes Modell. Es gibt kein zufriedenstellendes Modell des Weltklimas, dass alle Parameter berücksichtigt. Die Computermodellierung und ihre Ergebnisse zur Grundlage handfester Massnahmen oder gar von 50jährigen Planungen zu machen, entspricht etwa dem antiken Beachten von Vorhersagen der Zukunft aus dem Vogelflug oder dem Glauben an das Eintreffen der Ziele eines sowjetischen 5-Jahresplans.. Allein die Annahme, man könne 50 Jahre im Voraus planen, ist Irrsinn. Und: sie zeugt von Hybris, dem blinden Überschätzen der Möglichkeiten von Mensch und Technik.

Aus ökologischen Idealen eine Morallehre mit der dazugehörigen Schuld- und Erlösungskomponente zu stricken, halte ich deshalb ifür fatal, kurzsichtig und kontraproduktiv. Der Mensch hat über Jahrtausende seine Kultur der Natur abgetrotzt, indem er "Ihr" seine eigenen "kulturellen" Grenzen und Regeln auferlegt und "natürliche" Grenzen überschreitet und sprengt. Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit als absolute Dogmen führen, zu Ende gedacht, in eine antihumane Öko-Diktatur. Einige Thinktanks planen ja anscheinend seit längerem in diese Richtung.

Die Öko-Religion ist das neueste Opium für das Volk. Verschleiert werden soll das Auspressen von Menschen und Resourcen durch transnationale Banken und Firmen. "Die Natur" ist KEINE Gottheit, die sich an Öko-Übeltätern rächt.oder durch den Gottesdienst des CO2-Fastens zu beeinflussen wäre. Apokalyptische Visionen und künstlich erzeugte Schuldgefühle dienten von jeher nur der Einschüchterung und Gefügig-Machung der Masse Mensch im Sinne totaler Herrschaft und führen nicht zu sinnvoller Praxis. Menschengemäße und sinnvolle Lösungen lassen sich tatsächlich nur mit Erfahrung und Augenmass, nicht aber mit Borniertheit und Scheinwissenschaftlichkeit herstellen.

 

F.W. 2010

 

 

 

Recent Evidence for Reduced Climate Sensitivity - Talk by Roy W. Spencer 2008

cf.: Spencer et al., 2007: Cloud and radiation Budget Changes Associated with Tropical Intraseasonal oscillations, Geophysical Research letters, August 9

cf.: Spencer, Braswell, 2008: Potential Biases in Feedback Diagnosis from Observational Data: A Simple Model Demonstration, J. Climate (cond. acc.)

cf.: Spencer, Braswell, 2008: Satellites Reveal A Climate Less Sensitive Than In Models, Geophysical Research letters

cf.: Spencer & Braswell, 2009: Phase Space Analysis of Climate Forcing and Feedback in Model Simulations and Satellite Observations, Journal of Geophysical Research, in review

cf:

Satellite Evidence against Global Warming Being Caused by Increasing CO2 by Roy W. Spencer - Search and Discovery Article #110117 (2009) - Posted September 8, 2009

cf:

Dr Roy Spencer on Global Warming on Youtube/ James Madison Institute:

http://www.youtube.com/watch?v=qoke-1i8A9U

 

Tiefergehende wissenschaftliche Information zu Klimathemen von PD Dr. H. Kehl, TU Berlin, hier:

http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de//project/lv-twk/002-klimageschichte-kleiner%20ueberblick.htm#go2

und hier:

http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de/project/lv-twk/002-sonnenfleckenzyklen.htm

 

Klimadebatte in den deutschen Medien:

Rahmstorf 2004 für die Münchener Rück hier:

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/Publications/Other/rahmstorf_dieklimaskeptiker_2004.pdf

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FAZ vom 5. September 2007

Die „Klimaskeptiker“ antworten

Wir müssen Urängste relativieren

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf hat in einem F.A.Z.-Beitrag das Vorgehen und die Motive der so genannten Klimaskeptiker scharf attackiert. Nun wehren sich die Angegriffenen gegen einen „Untergangsterror“.

 

Im Schatten einer Klimapolitik, die dabei ist, die sozialen und ökonomischen Bedingungen der Welt grundlegend umzugestalten, ist ein ideologischer Streit entbrannt: Darf man die Gründe und Vorhaben des Klimaschutzes überhaupt noch in Frage stellen? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf hat in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Siehe: Stefan Rahmstorf: Alles nur Klimahysterie?) das Vorgehen und die Motive der sogenannten Klimaskeptiker scharf attackiert und als unmoralisch bezeichnet. Nun antworten ihm die Angegriffenen.

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf ist ein sehr erfolgreicher Mann. Sein Sieg auf allen Kanälen der öffentlichen Meinungsbildung ist total. In allen Talkshows trat er schon auf, in Radio, Funk und Fernsehen ist er omnipräsent. Der Klimaforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist ein Medienstar. Er kann sich aussuchen, wo er auftritt, und er tritt nur dort auf, wo man seiner Meinung ist oder zumindest so tut. Selbst Energiekonzerne und Autokonzerne buchen ihn, voller Zerknirschung, damit er ihnen die Computercharts des kommenden Untergangs präsentiert.

Klimaforscher Stefan Rahmstorf

Die Kanzlerin lauscht ihm, die Verbände, die Lobbys. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erhält jährlich 6,4 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln und weitere 3,3 Millionen aus anderen Quellen, über die keine Angaben gemacht werden. Es ist ein eingetragener Verein, der Direktor des Instituts, Hans Joachim Schellnhuber, der Bundesregierung als Klimaberater verpflichtet.

Eine „schwarze Liste“

Stefan Rahmstorf könnte seine heilige Mission in der Klimafrage also für beendet und gelungen erklären. Aber es reicht noch nicht. Noch sind da draußen ein paar Störer am Werk, Nörgler, Querulanten, Miesmacher, Zweifler. Dieses hoffnungslos verirrte und verwirrte Häuflein, so Rahmstorf in der F.A.Z., könnte durch Verharmlosung und Widerrede womöglich den großen, den ganz großen Konsens verhindern. Den Endsieg in der Klimadebatte.

Rahmstorf ist seit Jahren unter Journalisten dafür bekannt, dass er über Chefredaktionen oder Herausgeber versucht Druck auszuüben und ihm nicht genehme Berichterstattung zu unterbinden. Er führt, das hat er in der Wochenzeitung „Die Zeit“ stolz zu Protokoll gegeben, eine „schwarze Liste“ von Journalisten, die sich nicht seiner Meinung unterordnen, sondern ihren Beruf ernst nehmen: eigenständig recherchieren. Wissenschaftler, die nicht seiner Meinung sind, müssen mit Angriffen auf ihre Person rechnen. Gerne bezichtigt er sie der Nähe zu Wirtschaftsunternehmen - unter anderem in einer Publikation, die pikanterweise von der Münchner Rückversicherung finanziert wurde. Nun hat er seinen dort publizierten Aufsatz „Die Klimaskeptiker“ um einige Namen erweitert.
Dass es wärmer wird, kann man messen

Die Autoren dieser Zeilen werden in dem Beitrag als Teil einer finsteren Verschwörung geoutet, die Klimaschutzmaßnahmen verhindern. Es ist ein heiliger Krieg, ein Dschihad, den Rahmstorf da führt. Und es werden keine Gefangenen gemacht: Er reißt Zitate aus dem Zusammenhang, streicht, lässt weg - damit seine Weltuntergangsankündigung nicht in Gefahr gerät. Um auf all dies sachlich einzugehen, fehlt hier der Raum, wir haben deshalb eine Seite mit Richtigstellungen ins Internet gestellt (www.achgut.de).

Es geht uns nicht um „Leugnung“, wie es immer im Kontext dieser bizarr glaubensaufgeladenen Diskussion heißt. Dass es wärmer wird auf diesem Planeten, kann man messen. Es geht auch gar nicht so sehr um die Frage, wie dieser Klimawandel im Detail aussieht. Da hat Rahmstorf im Zweifel immer die „richtigen“ Zahlen parat (wer als Leit-Experte eines Themas gilt, verfügt automatisch auch über die „objektiven Zahlen“).

Endzeithysterien sind nichts Neues

Wir sind ganz normale Bürger, die den Wandel von Technologien weg von den fossilen Energien am liebsten beschleunigen wollen, die verbrauchsgünstige Autos fahren, die versuchen, sich ein objektives Bild zu machen und ihren Teil zu einer Energiewende beitragen. Aber wir haben, als Publizisten, Wissenschaftler, Medienschaffende, Intellektuelle auch ein Gedächtnis. Und wir erleben Endzeithysterien nicht zum ersten Mal.

Anfang der siebziger Jahre sagte Paul Ehrlich, ein Bevölkerungswissenschaftler, den Hungertod der Hälfte aller Menschen für das Jahr 1980 voraus. Sein Begriff der „Bevölkerungsexplosion“ beherrscht heute noch die öffentliche Meinung über die demographische Zukunft der Erde. Der Club of Rome brachte 1972 sein „Die Grenzen des Wachstums“ heraus, ein Konvolut von Behauptungen und Szenarien, aus dem die Medien in Zusammenarbeit mit der öffentlichen Meinung die sensationellsten herauspickten.
„Klimakatastrophe“ als säkulare Religion?

Wissenschaftlich war nun erwiesen, dass die Rohstoffpreise demnächst explodieren, Hungersnöte mit Millionen von Toten bis zum Jahr 2000 unvermeidbar und die Menschheit eigentlich am Ende war. Davon ist ein tiefes Sediment in unseren Schulbüchern hängengeblieben. Oder das Waldsterben. „Kein ernsthafter Wissenschaftler“ konnte in den achtziger Jahren leugnen, dass der Wald auf breiter Front stirbt. Heute wissen wir, dass dies eine Fata Morgana war, gezüchtet aus den Bedürfnissen einer subventionsfröhlichen Lobby und einer deutschen Angst-Naturromantik.

Heute ist die „Klimakatastrophe“ auf dem besten Wege, zu einer säkularen Religion zu werden, die mit ideologisierter Schuld-Sühne-Buße-Semantik alles über einen Leisten schert. Auch die existentiellen Fragen der Demokratie, der Armut, der globalen Entwicklung. Im Windschatten dieser Entwicklung entwickeln sich jene Denkverbote und Verkürzungen, die wir in der Atom-, Friedens- und Umweltdebatte erleben konnten und die nicht unerheblich zu jener strukturellen Fortschrittsfeindlichkeit, jener „Katastrophilie“ (Carlo Jäger) beitrugen, mit der sich unser Land herumplagen muss.
Das Spiel der Wissenschaft hat kein Ende

Bedauerlicherweise trägt vieles von dem, was im Moment unter Klimaschutz firmiert, nicht einmal zur Verbesserung der Umwelt bei. Weil den Bürgern „klimafreundlicher“ Biosprit verordnet wird, werden die Tropenwälder für Energiepflanzen abgeholzt. Die Tierarten, die angeblich wegen der globalen Erwärmung in den nächsten hundert Jahren aussterben, werden kurzerhand sofort und im Namen des Klimaschutzes ausgerottet.

Es geht uns um die Selbstgewissheit, mit der Wissenschaft Diskurse, die auch politische Diskurse sind, verabsolutiert. Karl Popper beschrieb die Funktion von Wissensarbeit so: „Alle Theorien sind Hypothesen, alle können umgestoßen werden. Das Spiel der Wissenschaft hat grundsätzlich kein Ende. Wer eines Tages beschließt, die wissenschaftlichen Sätze nicht weiter zu überprüfen, sondern sie etwa als endgültig verifiziert zu betrachten, der tritt aus dem Spiel aus.“

Ein weites Feld für „Qualitätssicherung“

Es geht uns um den Apokalyptizismus, mit dem die Debatte um den Klimawandel geführt wird. Im Namen des Notstands, der finalen Ausschließlichkeit eines fernen, unabdingbaren Untergangs, kann man Seelen, Menschen, politische Strategien, wirtschaftliche Investitionen umstandslos in Geiselhaft nehmen. Klimafragen sind zutiefst den Urängsten des Menschen verbunden, der in seiner Geschichte immer in seiner Existenz von Fluten, Dürren, Klimawandeln, Waldbränden bedroht war - und auch in Zukunft sein wird. Wer die Deutungsmacht über diese Urängste hat, kann mit ihnen alles machen. Davon lebten Herrschaftsreligionen, mästeten sich Diktaturen. Deshalb müssen wir auch Ängste demokratisieren, moderieren und, ja doch, relativieren.

Rahmstorf kümmert es wenig, wie die Medien hysterische Stimmungen produzieren. Etwa die Boulevard-Schlagzeilen, die uns in diesem Frühjahr hysterische Instant-Untergänge prophezeiten („Wir haben noch 12 Jahre Zeit!“). Den eitlen Propagandafilm Al Gores, in dem Thesen vertreten sind, die selbst von der Hardcore-Fraktion der Klimaforschung nicht mehr geglaubt werden, findet er der Sache dienlich. In zahllosen solchen Fällen hätte Rahmstorf ein weites Feld für seine „Qualitätssicherung“. Doch bedauerlicherweise ist er auf diesem Auge blind. Schlimmer noch: Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung befördert aktiv und wider besseres Wissen Katastrophenmythen.
Eine Meinungsumfrage unter Kollegen

So beschwören seit einigen Jahren deutsche und internationale Untergangspropheten die Gefahr einer Eiszeit, die Europa als Folge des Ausbleibens des Golfstromes schon bald bevorstehen soll. Inzwischen wurde offenbar, dass entsprechende Messungen fehlerhaft waren. Der Golfstrom im Nordatlantik zeigt trotz des Klimawandels bisher keine klaren Abschwächungstendenzen. Die Absage der Klimakatastrophe war eine herbe Enttäuschung für die Untergangspropheten. Was tun? Vielleicht bessere Beobachtungen anstellen?

Ach was, viel einfacher als das ist eine Meinungsumfrage unter Gleichgesinnten, um das widerlegte Katastrophenszenario wiederaufleben zu lassen. Und genau diese Strategie hat Rahmstorfs Institut aus dem Hut gezaubert: „Nach Erkenntnissen von Klimaforschern könnte schon in diesem Jahrhundert ein wichtiger Teil der atlantischen Ozeanzirkulation abzubrechen beginnen. Dies hätte eine Reihe dramatischer Folgen.“ Grundlage war eine Umfrage unter führenden Klimawissenschaftlern - eine Meinungsumfrage unter zwölf (!) Kollegen.

Wissenschaftler werden zu Glaubenskriegern

Mit der fanatischen Verfolgung Andersdenkender tut Rahmstorf weder sich noch der Klimadebatte einen Gefallen. Vielmehr weisen Stil und Inhalt auf eine tiefe Unsicherheit und ein bizarres Geltungsbedürfnis hin. (Man stelle sich vor, die großen Erkenntnisse der Wissenschaft, von Newton über Darwin bis Freud und Einstein, wären über die Verfolgung Andersdenkender erfolgt.)

Rahmstorfs Wissenschaft hat Modelle zu bieten, und sie muss ihre Unsicherheiten benennen, gerade wenn es sich um sehr komplexe Systeme wie das Klima handelt. Wenn Wissenschaftler ihre Annahmen zu Dogmen erklären, werden sie zu Glaubenskriegern. Dann ist es an der Zeit zu widersprechen. Deshalb nehmen wir uns das Recht zu zweifeln. Unsere Position ist aussichtslos, nicht gerade sexy und derzeit hoffnungslos in der Minderheit. Aber irgendjemand muss die Türen eines skeptischen Weltverständnisses gegen die praktisch gleichgeschaltete öffentliche Meinung offen halten, damit wir für die Zukunft lernen können.

Ein Beitrag von Christian Bartsch, Günter Ederer, Matthias Horx, Wolf Lotter, Dirk Maxeiner, Josef Reichholf und Wolfram Weimer.

 

Text: F.A.Z., 05.09.2007, Nr. 206 / Seite 35

http://www.faz.net/s/RubC5406E1142284FB6BB79CE581A20766E/Doc~EAE5A892E63B34A00A0D89F0186EA3247~ATpl~Ecommon~Scontent.html

access date 19.10.2010

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Varianten der Naturentfremdung
Auf dem Weg zu einer neuen Naturreligion?

Rainer Brämer
(2002)

[...]
Natur als höchster Wert

Die Fülle der Indizien spricht für eine hochgradige Naturentfremdung auf allen Ebenen. Sie beschränkt sich keineswegs nur auf sachliche Defizite, sondern treibt ihre Blüten auch im Bereich von Einstellungen und Gefühlen - so etwa wenn der Mensch gänzlich aus der Natur herausdefiniert und in merkwürdig masochistischer Weise zum ihrem Erzfeind stilisiert wird, während die Natur als pures Paradies erscheint. Insofern wird man auch den auf den ersten Blick erfreulichen Umstand, dass die Natur gegenwärtig zu den ganz wenigen unumstrittenen positiven Werten der multioptionalen Moderne gehört, skeptisch bewerten müssen. Im kollektiven Wertehorizont rangiert sie in der Tat sogar noch vor Wohlstand, Arbeit und Glaube. 70% aller Jugendlichen versteigen sich gar zu der Pauschalbehauptung: "Was natürlich ist, ist gut". Hierin dokumentiert sich eine Naturgläubigkeit, die sich offenbar auch nicht durch gegenteilige Erfahrungen wie Naturkatastrophen oder Krankheit und Tod irritieren lässt.

Tatsächlich fällt das Naturverhältnis nicht nur junger Menschen durch zahlreiche religiöse Analogien auf. Das beginnt mit der Sicht vom Mensch-Natur-Verhältnis als einer Dichotomie von Gut und Böse: Die Natur als heilige Gottheit, der Mensch als ihr teuflischer Widerpart, der sie als solche zu zerstören trachtet, obwohl er doch schlimmstenfalls nur seine natürlichen Lebensgrundlagen zerstören kann. Vor diesem Hintergrund erscheint der (notwendig) ausbeuterische Umgang des Menschen mit der Natur als eine Art Erbsünde, von der er als Inkarnation des Bösen nicht lassen kann. Hilfe zum Guten kann hier nur ein Moralkodex bieten, zu dem sich die einschlägigen Umweltbekenntnisse verfestigt zu haben scheinen und der den im Prozess der Naturentfremdung verloren gegangenen Realitätssinn ersetzt.

Tatsächlich hat die sich unter dem Mantel aufgeklärter Wissenschaft entwickelnde neue Naturreligion allerlei Insignien ihre Vorgänger übernommen. Da gibt es bereits die Vorform einer Priesterkaste, die im Besitz Ökologie als einer nur wissenschaftlich Geweihten zugänglichen Theologie die Natur (und nicht etwa nur unsere Lebensgrundlagen) zu schützen vorgibt. Das macht sie vorrangig dadurch, dass sie Naturschutzgebiete als eine Art Sanktuarien schafft, die nur von Mitgliedern der Kaste betreten werden dürfen. Das Volk wird mit Ausschluss sowie einem Katechismus asketischer Umweltgebote traktiert. Die darin u.a. enthaltene Aufforderung, die Natur möglichst nicht zu stören, erinnert stark an die bei Heiligtümern gebotene ehrfürchtige Stille. Die vor allem von amerikanischen, aber auch asiatischen Kirchenvätern übernommene meditative Zwiesprache mit der Natur hat den Charakter von Gebeten, die von allen geforderten ökologisch guten Werke schließlich fungieren als Voraussetzung der persönlichen Absolution. Angesichts dieser und ähnlicher, sich jedenfalls oberflächlich aufdrängender Analogien verwundert es nicht, dass die Naturpädagogik als naturreligiöses Erziehungskonzept ihren Ursprung tatsächlich in der amerikanischen Erweckungsbewegung hat.

Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied zu klassischen Religionen. Die alt-neue Gottheit Natur wird im Naturschutzparadigma nicht als übermächtig, sondern als Opfer gesehen. Übermächtig ist dagegen der Antigott Mensch, dem in humanitärem Größenwahn unterstellt wird, die Natur so weit wissenschaftlich-technisch zu beherrschen, dass er sie nach gusto zerstören oder auch schützen kann. Dem Begriff Naturschutz unterliegen also letztlich realitätsfremde Größenfantasien, wie sie etwa auch in Selbstdeklarationen als hilfreiche "Freunde der Natur" oder "Freunde der Erde", die die arme Bambi-Natur schützend in ihren Hände bergen, oder auch im großzügigen Zugeständnis eines eigenständigen, vom Menschen unabhängigen Existenzrechtes der Natur - ein Geschenk aus dem Repertoire des human-sozialen Minderheitenschutzes - zum Ausdruck kommen.

Naturschutz versus Nachhaltigkeit

Diese pointierte Interpretation betrifft allerdings nur jenes naiv-musealen Naturschutzkonzept, wie es derzeit die alltägliche Wahrnehmung prägt. Bei ihm handelt es sich nicht etwa um eine besondere Zuwendung zur Natur, sondern nur um ein weiteres Indiz zeitgenössischer Naturentfremdung. Das reale Problem der Sicherung menschlicher Lebensgrundlagen verschwindet im Weihrauchnebel einer höheren Moral, die mit ihrer typischen Mischung aus Frustration und Entlastung die wirklichen Probleme ausblendet bzw. in einen abstrakten Seinshorizont verlagert, wo sie dem einzelnen unlösbar erscheinen müssen. Tatsächlich verhindern moralisch gebotene Ersatzhandlungen wie die Mülltrennung, die Ökostromfiktion oder auch die Schaffung von Naturschutzgebieten eher die Lösung der anstehenden Probleme.

Denn die Probleme haben ihre Ursachen weniger in einem grundsätzlichen Widerspruch von Natur und Mensch, sondern in den sich ständig vergrößernden Disparitäten innerhalb der menschlichen Gesellschaft. Eine oft übersehene Folge der ständigen wissenschaftlich-technischen Umwälzungen unserer Lebensverhältnisse besteht nämlich darin, dass sie in den ohnehin zu inneren Ungleichgewichten tendierenden menschlichen Sozialverbänden eine beispiellose Akkumulation von Reichtum und Macht ermöglicht haben. In der "Globalisierung" haben diese Machtkonzentrationen Ausmaße angenommen, die nur noch schwach an die einstmalige Beherrschung der Erde durch die Dinosaurier erinnert, weil sie sie um viele Größenordnungen übertrifft. In den globalisierten Chefetagen wird letztlich das Bild vom Menschen als einem Antigott produziert, sei es in der arroganten Selbstwahrnehmung als Weltenlenker oder in der machtlosen Perspektive von unten.

Doch auch unsere globalen Fürsten verfügen nur über die evolutionär erworbenen natürlichen Fähigkeiten des Menschen, die keineswegs dazu geeignet sind, Größenverhältnisse weit jenseits des Dinosaurierstadium kontrollieren und beherrschen zu können. Die von ihnen immer wieder neu entzündete Euphorie wissenschaftlich-technischer Machbarkeit täuscht indes nicht nur sie darüber hinweg, sondern inspiriert auch das Fußvolk der Mächtigen zu irrealen Größenfantasien. Ein vom heimlichen Unwohlsein über die zugewachsene Macht geprägter Ausfluss dieser Größenfantasien ist die Annahme, mit der Macht zur Zerstörung wären uns auch die Mittel gegeben, "die Natur" vor uns selbst zu schützen.

Dabei kann es bestenfalls darum gehen, unsere im natürlichen Umfeld wurzelnden Lebensgrundlagen zu sichern. Dazu müssen wir die absehbar in die Sackgasse führenden Dinosaurier-Disparitäten, die sozialen Ungleichgewichte ebenso wie die damit verbundenen Großtechniken der Naturausbeutung, zurückfahren. Es geht also um Nachhaltigkeit auf allen Ebenen, individuell und kollektiv, im Kleinen wie vor allem auch im Großen. [...]


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